Tag fünf in Namibia und noch keine Zeile geschrieben. Was ist los? Die guten Nachrichten vorneweg. Es geht uns allen gut, unsere Abläufe haben wir gefunden und wir sind im Reisemodus angekommen. Die ersten Tage waren geprägt von gesperrten Wegen, Umleitungen und anderen Blockaden. Unter anderem auch beim Schreiben.
Umso grösser meine Freude, dass ich heute ein wenig Zeit finde. Es ist also nicht so, dass wir nichts erlebt hätten. In erster Linie waren wir schlicht öfters mal länger unterwegs als geplant/gewollt. Das frisst Energie und Zeit. Gibt man mir dann noch 38 °C Aussentemperatur dazu, schaltet mein System automatisch auf Überleben. Aber alles der Reihe nach.

7:45 Uhr, gelandet vor der eigentlichen Ankunftszeit, jeeeeiii. Die Nacht im Flieger war erstaunlich ergiebig und gemessen an den möglichen Szenarien fühle ich mich frisch und munter. Die Morgensonne küsst uns beim Aussteigen und die Luft ist angenehm frisch. Jetzt Immigration, Gepäck und das Abenteuer kann losgehen.
Auto in Empfang nehmen …, einkaufen … – halt, nein, Stopp, alle hangry, doch erst Mittagessen – dann einkaufen und gleich auch noch die erste Strecke unter die Räder nehmen – nur um erneut erstaunt festzustellen, wie lange 100 km sein können. Auch ohne Detour.
Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert!
Umso mehr kaue ich mir um 8:52 Uhr auf meiner Unterlippe herum. Zum einen, weil ich soooooooo dringend Pipi muss, aber in erster Linie, weil wir nun bereits über eine Stunde in der Schlange für die Einreise mit e-Visa stehen. Ich habe ehrlich nicht durchdrungen, warum das Ding e-Visa heisst. Ok, ich habe es elektronisch gelöst. Zuhause mit Pässen, Flugnummer und Reiserouten bewaffnet, habe ich – kauend auf der Unterlippe – Formular für Formular ausgefüllt und nach jedem Klick gebetet, dass die staatlichen Server in Namibia jetzt nicht gerade eine Pause einlegen. Nicht so wie die Immigration Officers, die schon mal gerne einfach ihre Kabinen verlassen, um dann vielleicht, aber auch nur vielleicht, irgendwann wieder aufzutauchen. Entgegen meiner Natur versuche ich, mir die Laune nicht verderben zu lassen. Ich kann in dieser Situation ohnehin nur verlieren und zudem ist die Stimmung um mich auch ohne mein Zutun explosiv genug. Da jetzt mit einem Streichholz herumzufuchteln, wäre schlicht – spannend – aber ich lass es doch einfach mal gut sein.
Zurück zum e-Visa, wir sind an der Reihe, hooorray. Meine Unterlippe ist taub und meine Gedanken fluchen. Ich lächle. Die junge Frau in Uniform dirigiert uns aus ihrem Glaskasten in herrischem Ton. Heeeee, warum darf sie mit dem Streichholz und ich nicht?
Ich lächle.
Sie scannt die Pässe, macht einen Stempel hier, einen Stempel da. Dann fängt sie an, von Hand die Zeilen in den Pässen zu ergänzen. Alles seeeeeeeeeeehr gemächlich und alles auch nur dann, wenn sich auf dem Handy gerade keine wichtige Szene ihrer Lieblingsserie abspielt. Sie versucht, ihre Unlust oder zumindest ihre Prioritäten bei der Arbeit nicht wirklich zu verbergen. Das Handy steht an den Monitor angelehnt und beschallt uns gleich mit.
Zu diesem Zeitpunkt habe ich längst aufgegeben, die Minuten zu zählen, und habe auf Atemübungen gewechselt. Endlich, sie händigt uns unsere Pässe aus und wir sind angekommen.
Ich lächle nicht mehr und suche fluchend die Toilette.
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